Wer Geld benötigt, ohne Wertpapiere im Depot zu verkaufen, kann einen Lombardkredit aufnehmen. Dabei dienen Vermögenswerte als Sicherheit; bei Privatkunden ist damit meist ein Wertpapierkredit gemeint. Sinkt der Wert der Sicherheiten, kann der Kreditrahmen schrumpfen oder der Kreditgeber zusätzliche Sicherheiten verlangen.
Früher vergab die Deutsche Bundesbank Lombardkredite an Banken. Mit dem Übergang zum Europäischen System der Zentralbanken endete diese Praxis. Sie ist vom heutigen Wertpapierkredit für Privatkunden zu unterscheiden.
So funktioniert ein Wertpapierkredit
Bei einem Wertpapierkredit bewertet der Kreditgeber, welche Depotwerte er als Sicherheit akzeptiert und welchen Beleihungswert er ihnen zuordnet. Der Beleihungswert gibt an, welchen Betrag der Kreditgeber für die Sicherheiten anrechnet. Er liegt in der Regel unter ihrem aktuellen Marktwert. Deshalb können Sie nicht automatisch den gesamten Depotwert als Kredit aufnehmen.
Wie hoch der Beleihungswert ist, hängt unter anderem von den Wertpapieren ab. Je nach Angebot akzeptiert der Kreditgeber unterschiedliche Anlagen und setzt für sie unterschiedliche Beleihungswerte an. Manche Lombardkredite akzeptieren auch andere Sicherheiten, etwa Guthaben auf einem Konto.
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Ein Beispiel der Volksbanken Raiffeisenbanken zeigt den Unterschied: Für ein Depot im Wert von 30.000 Euro setzt die Beispielrechnung einen gesamten Beleihungswert von 18.500 Euro an. Das ist eine Beispielrechnung und keine einheitliche Regel für deutsche Banken. Ihr tatsächlicher Kreditrahmen richtet sich nach den Bedingungen des jeweiligen Anbieters.

Wann ein Lombardkredit passt
Ein Lombardkredit verschafft Ihnen Geld, ohne dass Sie die verpfändeten Wertpapiere sofort verkaufen müssen. So bleiben Sie weiter an deren Kursentwicklung beteiligt. Je nach Anlage und Vertrag erhalten Sie außerdem weiterhin mögliche Erträge aus den Wertpapieren.
Das kann helfen, wenn Sie kurzfristig Geld brauchen und die Kreditkosten aus Ihrem laufenden Einkommen oder anderen verfügbaren Mitteln tragen können. Entscheidend ist, ob Sie den Kredit auch dann bedienen können, wenn Ihre Anlagen an Wert verlieren. Die Möglichkeit, Wertpapiere vorerst zu behalten, macht den Kredit nicht automatisch günstiger oder sinnvoller als ein Verkauf.
Prüfen Sie außerdem, ob der Kredit für Ihren geplanten Zweck verwendet werden darf. Die Bedingungen unterscheiden sich: Ein Anbieter beschreibt seinen Lombardkredit als frei verwendbar, während ein anderes Angebot bestimmte Immobilienzwecke ausschließt. Verlassen Sie sich deshalb auf den konkreten Vertrag, nicht auf die Bezeichnung „Lombardkredit“.
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Was bei Kursverlusten passiert
Fallen die verpfändeten Wertpapiere im Wert, sinkt auch der Wert der Sicherheiten für den Kredit. Der Kreditgeber kann dann zusätzliche Sicherheiten oder eine teilweise Rückzahlung verlangen. Je nach Vertrag darf er die verpfändeten Anlagen schließlich verkaufen. Die genauen Auslöser, Fristen und Schritte hängen vom jeweiligen Vertrag ab.
Eine vereinfachte Rechnung zeigt das Risiko: Bei einem Kredit über 18.500 Euro und einem Beleihungswert in gleicher Höhe würde ein Rückgang des Beleihungswerts um 30 Prozent diesen auf 12.950 Euro senken. Gegenüber dem ursprünglichen Kredit bliebe eine Lücke von 5.550 Euro. Die Rechnung zeigt die Veränderung, aber nicht, ab wann ein bestimmter Anbieter tatsächlich Maßnahmen ergreift.
Wenn Sie mit dem Kredit weitere Wertpapiere kaufen, tragen Sie das Risiko, dass diese an Wert verlieren, und müssen den Kredit trotzdem zurückzahlen. Sinkt der Wert der gekauften Anlagen, bleibt die Schuld bestehen. Zugleich kann der Kreditgeber auf die verpfändeten Wertpapiere zugreifen. Müssen Sie nach einem Kursrückgang verkaufen, kann dadurch ein Verlust festgeschrieben werden.
Zinsen und Vertragsbedingungen
Einen verlässlichen, unabhängigen Durchschnittszins für Lombardkredite in Deutschland gibt es hier nicht. Die von den Volksbanken Raiffeisenbanken genannte Spanne von 3 bis 8 Prozent pro Jahr gilt nicht für den gesamten Markt. Sie sagt weder voraus, welchen Zinssatz Sie erhalten, noch ob ein bestimmtes Angebot für Sie verfügbar ist.
Auch einzelne Anbieterangaben gelten nur für das jeweilige Produkt und den angegebenen Zeitpunkt. Die Produktseite von flatexDEGIRO Bank SE zeigte zum 30. Oktober 2026 für einen Lombardkredit einen Sollzinssatz von 6,25 Prozent und einen effektiven Jahreszins von 6,40 Prozent. Das Angebot war an dort verwahrte Wertpapiere und eine Kreditgrenze von mindestens 250.000 Euro gebunden. Diese Angaben beschreiben kein marktübliches Angebot für alle Privatkunden. Die Seite führt außerdem einen Flex-Kredit auf, der nicht mit dem Lombardkredit gleichzusetzen ist.
Vergleichen Sie vor einem Abschluss vor allem diese Vertragsdetails:
- Welche Wertpapiere oder anderen Vermögenswerte als Sicherheit dienen und wie der Kreditgeber ihren Beleihungswert berechnet.
- Ob der Zinssatz fest oder variabel ist und welche Kosten zusätzlich zum Zins anfallen.
- Wie Rückzahlung und Kündigung geregelt sind.
- Was bei fallenden Sicherheiten passiert und ob der Kreditgeber zusätzliche Sicherheiten, eine Teilrückzahlung oder den Verkauf von Anlagen verlangen kann.
- Ob der Kredit für Ihren geplanten Verwendungszweck zugelassen ist.
Ein niedriger angezeigter Zinssatz allein reicht für den Vergleich nicht aus. Achten Sie auch darauf, ob der Kredit unbefristet oder zeitlich begrenzt ist und welche Kündigungsfristen gelten.

Wann ein anderer Weg besser ist
Ein Lombardkredit setzt voraus, dass Sie anerkannte Sicherheiten besitzen und zusätzliche Zahlungen auch dann tragen können, wenn deren Wert fällt. Wenn Ihr Einkommen bereits knapp ist oder Sie bestehende Raten kaum bedienen, erhöht ein weiterer Kredit den Druck auf Ihr Haushaltsbudget.
Prüfen Sie deshalb, ob Ihre monatlich verfügbaren Mittel die Kreditkosten decken, und rechnen Sie damit, dass der Depotwert sinkt. Wenn Sie wegen einer kurzfristigen Ausgabe Geld benötigen, vergleichen Sie auch, ob ein Verkauf einzelner Anlagen oder eine andere Finanzierung für Sie tragbarer ist. Bei Zahlungsproblemen ist eine kostenfreie, anerkannte Schuldnerberatung eine Anlaufstelle. Ein neuer Kredit löst die Ursache einer dauerhaften Finanzierungslücke nicht.


