Notleidende Kredite sind Darlehen, deren Rückzahlung unwahrscheinlich ist oder bei denen eine wesentliche Zahlung seit mindestens 90 Tagen aussteht. Bei Krediten an kleine und mittlere Unternehmen sowie bei Gewerbeimmobilien lagen die Quoten über der Gesamtquote. Das weist auf Risiken in einzelnen Bereichen hin, belegt aber keine allgemeine Bankenkrise.
Statistiken erfassen unterschiedliche Banken und Kredite, deshalb sind ihre Quoten nicht immer direkt vergleichbar. Berücksichtigen Sie neben der Gesamtquote auch den Berichtszeitraum und die Entwicklung einzelner Kreditarten.
Wann ein Kredit als faul gilt
„Fauler Kredit“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für einen notleidenden Kredit, auf Englisch „Non-Performing Loan“ oder kurz NPL. Nach der Definition der Bundesbank gilt ein Darlehen als notleidend, wenn die Rückzahlung ohne Verkauf oder Nutzung von Sicherheiten unwahrscheinlich ist oder ein wesentlicher Teil der Schulden des Schuldners mindestens 90 Tage überfällig ist.
Ein Zahlungsverzug führt daher nicht automatisch dazu, dass ein Kredit als notleidend zählt. Entscheidend sind die Höhe und Dauer des Rückstands sowie die Einschätzung, ob der Schuldner das Darlehen voraussichtlich zurückzahlen kann. Banken müssen für notleidende Kredite in der Regel den erwarteten Verlust in ihrer Bilanz verbuchen. Dafür bilden sie eine Wertberichtigung.
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Davon zu unterscheiden sind sogenannte Stage-2-Kredite. Bei ihnen ist das Kreditrisiko seit der erstmaligen Vergabe deutlich gestiegen. Sie gelten aber nicht automatisch als notleidend. Banken beobachten solche Kredite als mögliches Frühwarnsignal.

NPL-Quoten in Deutschland
Die FINREP-Statistik der Europäischen Zentralbank (EZB) erfasst viele Banken. Für inländische deutsche Banken weist sie im vierten Quartal 2025 eine NPL-Quote von 1,7895 Prozent aus. Der Wert ist vorläufig. Eine andere EZB-Statistik erfasst bedeutende Institute und meldet für das zweite Quartal 2026 eine Gesamtquote von 2,17 Prozent.
Diese Zahlen widersprechen sich nicht: Sie beziehen sich auf unterschiedliche Bankengruppen und Zeiträume. Die Quote beschreibt den Anteil notleidender Kredite am erfassten Kreditbestand. Sie sagt weder aus, wie viele einzelne Kreditnehmer betroffen sind, noch nennt sie eine Euro-Summe der Ausfälle.
| Kreditbereich oder Statistik | Quote | Berichtszeitraum |
|---|---|---|
| Inländische deutsche Banken, breite FINREP-Reihe | 1,7895 % | Q4 2025, vorläufig |
| Bedeutende Institute, EZB-Aufsichtsstatistik | 2,17 % | Q2 2026 |
| Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, bedeutende Institute | 4,72 % | Q2 2026 |
| Unternehmenskredite mit Gewerbeimmobiliensicherheit, bedeutende Institute | 4,36 % | Q2 2026 |
Die Quoten für kleine und mittlere Unternehmen sowie Gewerbeimmobilien liegen über der Gesamtquote der bedeutenden Institute. Im Jahresvergleich sank der Wert bei kleinen und mittleren Unternehmen von 4,85 Prozent im zweiten Quartal 2025 auf 4,72 Prozent ein Jahr später. Beide Bereiche bleiben auffällig. Aus diesen Angaben lässt sich eine Entwicklung im Jahresvergleich nur für kleine und mittlere Unternehmen ablesen.
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Wo die Risiken liegen
Gewerbeimmobilien
Die Bundesbank schätzt weiterhin, dass Kredite für Gewerbeimmobilien ein erhöhtes Ausfallrisiko haben. Besonders Projektentwickler stehen unter Druck, wenn sie Kredite am Laufzeitende zu höheren Kosten verlängern müssen oder geplante Immobilienverkäufe nicht zustande kommen.
Nach dem Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank entfallen 16 Prozent der Gewerbeimmobilienkredite auf Projektentwickler. Dem Bericht zufolge liefen 80 Prozent ihrer Kredite am Laufzeitende durch eine Anschlussfinanzierung weiter. Bei einer Anschlussfinanzierung ersetzt ein neuer Kredit den bisherigen; innerhalb von vier Jahren hatte sich dieser Anteil nahezu verdoppelt. Die Bundesbank wertet die Entwicklung als mögliches Zeichen für Schwierigkeiten beim Verkauf von Objekten. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder dieser Kredite später ausfällt.
Die BaFin bezifferte in ihrem Bericht „Risiken im Fokus 2025“ den Anteil von Gewerbeimmobilienkrediten auf gut 9 Prozent der zusammengerechneten Bilanzsumme deutscher Banken. Die Behörde sah darin ein erhöhtes Risiko, schätzte es für sich genommen aber nicht als voraussichtliche Gefahr für die Funktionsfähigkeit des gesamten Finanzsystems ein. Einzelne Institute können dennoch stärker belastet sein.
Unternehmen und kleinere Betriebe
Die schwache Konjunktur belastet die Rückzahlung von Unternehmenskrediten. Die Bundesbank beobachtete, dass notleidende Kredite nicht mehr nur bei Immobilienfinanzierungen zunahmen, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen. Die EZB-Quote von 4,72 Prozent zeigt, dass Kredite an kleine und mittlere Unternehmen anfälliger sind als der Durchschnitt der Kredite bei bedeutenden Instituten. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr spricht zugleich gegen die Annahme, dass sich die Lage dort durchgehend verschlechtert.
Auch die Kreditvergabe reagiert auf die Risikoeinschätzung der Banken. Laut Bundesbank führten die Kreditqualität und andere Risikofaktoren im dritten Quartal 2026 besonders bei Unternehmenskrediten zu strengeren Vergaberichtlinien. Im zweiten Quartal hatten diese Indikatoren noch keinen nennenswerten Einfluss auf die Richtlinien gehabt. Die Wirkung kann sich also von Quartal zu Quartal ändern.
Private Haushalte
Für private Haushalte meldete die Bundesbank bis Ende Juni 2025 einen leichten Anstieg der NPL-Quote. Sie lag bei 1,6 Prozent und damit rund 0,5 Prozentpunkte über dem Tiefstand von Ende 2022. Bei Wohnimmobilienkrediten lag die Quote bei gut 1 Prozent, bei Konsumentenkrediten bei etwa 4 Prozent.
Diese Angaben beziehen sich auf einen früheren Stichtag als die EZB-Werte für das zweite Quartal 2026. Sie zeigen dennoch, dass sich die Lage je nach Kreditart unterscheidet. Die Bundesbank führte die vergleichsweise stabile Situation der Haushalte auch auf den robusten Arbeitsmarkt zurück.
Was der Durchschnitt verdeckt
Eine niedrige Gesamtquote bedeutet nicht, dass jedes Institut geringe Ausfälle hat. Die Bundesbank berichtete 2026 von einer gestiegenen Zahl kleiner und mittlerer Institute mit einer NPL-Quote von mehr als 5 Prozent. Bei manchen Banken hängt eine höhere Quote teilweise mit dem Geschäftsmodell zusammen. Für die Bewertung zählt deshalb auch, welche Kredite das Institut vergeben hat und wie gut es Verluste auffangen kann.
Frühwarnindikatoren liefern ebenfalls keine sichere Vorhersage. Ein höherer Anteil an Stage-2-Krediten oder ein Kredit, dessen Rückzahlung neu vereinbart wurde und der weiter bedient wird, kann auf größere Risiken hinweisen. Daraus folgt jedoch nicht, dass der Kredit tatsächlich notleidend wird. Die EZB beschreibt solche Entwicklungen als Hinweise, die genauer beobachtet werden müssen.
Für Vergleiche über mehrere Jahre sollten Sie außerdem dieselbe Datenreihe verwenden. Die Bundesbank weist darauf hin, dass sich nationale Abgrenzungen und erfasste Kreditarten im Lauf der Zeit geändert haben. Unterschiedliche Statistiken können daher verschiedene Quoten liefern, ohne dass eine davon zwangsläufig falsch ist.

Was das für Kreditnehmer bedeutet
Eine NPL-Quote sagt nicht voraus, ob eine Bank Ihren Kreditantrag genehmigt oder welchen Zinssatz sie anbietet. Sie zeigt, welcher Anteil der erfassten Kredite notleidend ist.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, eine Rate zu zahlen, wenden Sie sich frühzeitig an Ihren Kreditgeber. Klären Sie, welche Möglichkeiten es für eine Anpassung der Rückzahlung gibt, und prüfen Sie anhand Ihres Haushaltsbudgets, welche Rate dauerhaft tragbar ist. Ein weiterer Kredit löst Zahlungsprobleme nicht automatisch und erhöht die Gesamtverschuldung.
Bei mehreren offenen Forderungen oder anhaltenden Zahlungsschwierigkeiten hilft eine anerkannte Schuldnerberatung. Viele Beratungsstellen bieten ihre Unterstützung kostenfrei an. Sie können gemeinsam mit Ihnen Einnahmen, Ausgaben und Schulden ordnen und mögliche nächste Schritte besprechen.


